Historie

Wie weit das Karnevalsbrauchtum in Westum zurück reicht, ist nicht festzustellen. Jedoch hat es schon lange vor den Einflüssen von Köln in Westum heimischen Frohsinn gegeben.
So heißt es in einer Chronik von 1830: "Fastnacht verkleiden sich Erwachsene und Heranwachsende und wenn sie für sich Narretheyen genug gemacht, erwarten sie einen Tränk." Der erste Fastnachtstag war früher der Hauptfastnachtstag, das ist heute Karnevalssonntag. An diesem Tag fingen nach dem Hochamt die Kinder mit ihrem maskierten Herumtollen an, an dem sich dann im Laufe des Tages auch Jugendliche und Erwachsene beteiligten.

Einen ersten Maskenball versuchte der Junggesellenverein 1877 durchzuführen. Doch als man nachher noch 6 Taler dazugeben musste, weil die erhoffte Beteiligung ausblieb, ließ man von weiteren Bällen ab. Erst 1892 wurde diese Veranstaltung wieder aufgegriffen und da dieser Maskenball ein großer Erfolg war, hat man seitdem jedes Jahr am ersten Fastnachtstag (Sonntag) einen solchen abgehalten. Die Organisation des Balles ging später an den Gesang- und auch Turnverein über.

Allgemein ist bekannt, dass vielerorts die Fastnachtsbräuche vielfach Frühlingsbräuche aus vorchristlicher Zeit sind und als solche auch heute noch gehalten werden. Auch in Westum hat sich eine symbolhafte Wintervertreibung bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts erhalten.
Dies war am zweiten Fastnachtstag (heute Rosenmontag) die Tradition des "Strohbär"- oder auch "Erdsebärtreiben".

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Gleich wie der Bär bei den ersten warmen Sonnenstrahlen seinen Winterschlaf beendet und aus seinem Bau kommt, wurde früher der Dorfgemeinschaft ein tanzender Bär gezeigt. Damit wurde angekündigt, dass der Winter nun vorbei ist und mit dem Erwachen der Natur der Frühling Einzug hält. Da ein natürlicher Bär nicht vorhanden war, wurde ein solcher mit Hilfe von Stroh oder Erbsenstroh nachgebildet. Ein Mann wurde mit diesem bis zur Unkenntlichkeit umwickelt und musste schwerfällig an einer Kette zu den Rhythmen der Musik durch die Straßen tanzen. Der Begleiter, "de Bäreleide" zog mit ihm durch die Straßen und hielt den dort zuschauenden seinen alten umgekehrten Hut entgegen, um eine Gabe oder einen Trank zu erbetteln. Die Dorfjugend sprang um das ungleiche Paar herum und sang: "Pitte loss de Bär eraus, loss en noch jet danze". Dieser Brauch, den es heute nur noch in Kripp gibt, schlief in Westum nach 1960 ein.

Der Gründung der Karnevalsgesellschaft gingen gemütliche Abende des SV Westum voraus, bei denen recht fröhlich und humorvoll gefeiert wurde. 1935 schlossen sich dann schließlich 12 Spaßmacher zusammen und hielten im Saal Herges die erste Kappensitzung ab.(Foto: Gründer der KG)

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Diese brachte großen Erfolg. Klein war die Gruppe der Gründer, aber groß ihr Humor. Sie verstanden es die Alltagssorgen zu vergessen und durch ihren Humor zu ersetzen.

In der Zeit des Krieges kam die KG zum Stillstand. Fast alle Mitglieder wurden zu den Waffen gerufen und mussten ihren Frohsinn mit Leid tauschen. Zwei Mitglieder, Josef Fuchs und Ferdinand Michels, starben den Heldentod.
Als der Krieg zu Ende war, fanden sich die alten Karnevalisten wieder zusammen und nahmen mit neuen Mitgliedern ihre närrische Tätigkeit wieder auf. Die erste Sitzung musste noch unter dem Namen des Sportvereins abgehalten werden, da die KG noch kein eingetragener Verein war und die französische Besatzungsmacht erst noch die Genehmigung dafür erteilen musste. Damals musste man seine Getränke zu den Veranstaltungen selbst mitbringen und nur im Tausch mit Butter und Speck war es möglich, den Elferrat mit den Schellenkappen zu schmücken.

Eine Druckerei im Hause Anton Nonn brachte die erste Fastnachtszeitschrift heraus.

Durch den Einsatz aller wuchs der Karneval in Westum von Jahr zu Jahr. Fast in jedem Jahr der "goldenen Fünfziger" konnte dem närrischen Volke von Westum ein Prinz vorgestellt werden, prächtig unterstützt von Elferrat und Vorstand. Franz Fuchs wurde 1948 zum ersten Prinzen in der Vereinsgeschichte proklamiert, 1955 waren Toni und Annemie Nonn das erste Prinzenpaar. Ihnen sollten bis heute noch zahlreiche folgen (siehe Seite...). Zu Ehren der Tollitäten führten die Rosenmontagszüge durch die festlich geschmückten Straßen des Dorfes. Alle Ortsvereine des Dorfes und einige bekannte Zuggruppen beteiligen sich an der Gestaltung des bunten Umzuges. Seit dem Jahr 1985 gibt es eine Regentschaft mit Rosenmontagszug nur alle 5 Jahre, in den anderen Jahren findet der traditionelle Sitzungskarneval satt.

Die Kappensitzungen der KG waren und sind für ihren Humor und ihre Stimmung kreisbekannt. Zahlreiche Büttenasse gingen aus ihr hervor und es gab sogar zahlreiche Gastspiele auf der Grafschaft und an der Ahr. Bis heute wird die Beliebtheit durch große Besucherzahlen bestätigt.

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In der Session 1974 lud die KG erstmals zu einer Kindersitzung ein. Eigens hierfür wurde eine Aktivengruppe ins Leben gerufen, die sich um die Organisation dieser Veranstaltung kümmerte. Bis heute hat die Kindersitzung einen Platz im Veranstaltungskalender der KG Rot-Weiß. Leider musste sie in der Session 1988/89 erstmal ausfallen.

Dem Zeitgeist folgend startete in der Session 1987/88 erstmals eine Fastnachtsdisco. Diese wurde zum festen Bestandteil im Veranstaltungsprogramm und erfreut sich stetig steigender Besucherzahlen, vorwiegend jüngerem Publikum.

In der Session 1999/2000 entschloss man sich erstmals alle Veranstaltungen in einem Festzelt auf dem Kirmesplatz der Galters abzuhalten. In den Folgejahren stieß dies jedoch nicht auf die Zustimmung aller Dorfbewohner. Eine Interessengemeinschaft rund um den Kirmesplatz wehrte sich gegen die Veranstaltungen und es kam im Jahr 2004? zu einem Urteil beim Oberverwaltungsgericht in Koblenz, an dessen Bestimmungen sich die KG bei der Durchführung ihrer Veranstaltungen halten muss. Auch die Kirmesfeierlichkeiten des JGV müssen sich diesen Richtlinien bis heute und in Zukunft beugen.

In Zusammenarbeit mit den Möhnen entstand 2008 eine Sitzung nach alt bewährter Tradition. Die Möhnen kreativ in ihren Vorträgen und die KG mit Equitment und Know-how taten sich zusammen und die KaMö-Sitzung wurde geboren. Es vereinigte sich das Beste was Möhnen und KG zu bieten haben und es entstand eine außerordentliche Sitzung unter dem Dach des Zeltes der KG.

2009 fand zum ersten Mal die „AW-Karnevalsshow“ im Zelt der KG statt. Die Kreissparkasse lud Abordnungen aller Vereine des Kreises nach Westum ein, um zusammen zu kölschen Klängen gemütlich zu feiern.

Auch in dieser Session heißt die KG wieder alle Karnevalsfreunde in ihrem Zelt willkommen. Immer sehr bemüht das karnevalistische Erbe der letzten 75 Jahre weiter zu führen, freuen sich die Aktiven auf eine schöne und erfolgreiche Session, damit auch weiterhin Frohsinn und Freude im Dorf erhalten bleiben und es noch lange heißt: Fastelovend zesamme!